Gegen alles ist ein Kraut gewachsen

Früher fehlten in keinem Haushalt die selbstgemachten Heilmittel aus diversen Kräutern. Die Kräuterkraft begleitet uns Menschen schon ein Leben lang wobei diese erst jetzt wieder aus der Vergessenheit neu entdeckt wird.

In den Kräutern steckt viel Kraft. Egal, ob diese vor der Haustüre wachsen – im Garten, auf einer Wiese oder am Waldrand. Wir möchten euch in das grüne Reich enführen und euch einige Schätze aus der Natur vostellen.

 

Acerolakirsche

Acerolas sind immergrüne Sträucher oder kleine Bäume, die in Zentral- und Südamerika bis in Höhenlagen von 1600 m wachsen. Die Früchte der Acerolakirsche ähneln in Farbe und Form den heimischen Kirschen, allerdings weisen sie eine leichte Dreiteilung auf. Auffallend an den sauren Früchten ist ihr hoher Vitamin C Gehalt: 100 g Frischsaft enthält 1000 bis 1500 mg Vitamin C. Dieses natürliche Vitamin C zeigt im Vergleich zu reiner Ascorbinsäure mehr Effektivität. Grund für diese „getunte“ Wirkung sind sogenannte Polyphenole, die in der Acerolakirsche reichlich vorhanden sind. Acerolafrüchte können roh verzehrt werden, sind aber so weich, dass sie sofort nach der Ernte verarbeitet werden müssen. Daher werden sie in den europäischen Supermärkten nicht angeboten.

 

Hagebutte

Hagebutten sind die Früchte von verschiedenen Rosenarten, besonders aber von der Hundsrose – einer Wildrosenart. Die Hundsrose, die in ganz Europa heimisch ist und bis in Höhenlagen von 1600 m wächst, erhielt ihren Namen als vermeintliches Heilmittel gegen die Tollwut auch „Hundswut“ genannt. Die Hagebuttenfrucht ist eine Sammelfrucht, die in ihrem Inneren viele kleine, mit Härchen bedeckte Nüsschen enthält. Diese Nüsschen werden von Kindern gerne als Juckpulver verwendet. Das Fruchtfleisch aber enthält eine große Menge an Vitamin C, Vitamin B1, Vitamin B2 und Carotinoide. Das natürliche Vitamin C, aber auch Carotinoide und Polyphenole stellen ausgezeichnete Antioxidantienquellen dar.

 

Einjähriger Beifuß

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua), nicht zu verwechseln mit dem gewöhnlichen Beifuß, der bei uns überall wächst, hat in der traditionellen chinesischen Medizin bereits eine jahrtausende-lange Tradition. Die krautige, einjährige Pflanze wächst in den sommerwarmen Gebieten Eurasiens. Ein bedeutsamer Inhaltsstoff des einjährigen Beifuß-das Artemisinin- wurde 1971 aus der Pflanze isoliert. Dieses Artemisinin wird in der TCM bereits sehr lange in der Behandlung gegen Malaria eingesetzt. 2015 bekam die chinesische Pharmakologin Tu Youyou sogar einen Nobelpreis für die Substanzgwinnung von Artemisinin.

Seit April 2020 werden im Max Planck Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam Studien zum Einjährigen Beifuß in Zusammenhang mit COVID 19 durchgeführt. Hier wurde eine antivirale Wirkung festgestellt, die sich durch eine Kombination mit Kaffee noch erhöhen ließ.

 

 

Japanisches Geißblatt

Das Japanische Geißblatt (Lonicera japonica) ist ein immergrüner Strauch mit 3-5 cm großen, weißen, duftenden Blüten, der in Japan, Korea und China beheimatet ist. In Europa und Amerika erfreut er sich als Zierpflanze immer größerer Beliebtheit. Das Japanische Geißblatt hat in der traditionellen chinesischen Medizin unter dem Namen Jin Yin Hua seit dem 7. Jahrhundert eine Bedeutung bei der Behandlung von Hitzesymptomen. In China wurde das Japanische Geißblatt auch als Grundlage bei der COVID 19 Therapie verwendet, gemeinsam mit weiteren Kräutern aus der TCM.

 

 

Salbei

Der Echte Salbei (Salvia officinalis) ist ein Gewürzkraut, das in vielen Gärten auch in unseren  Breiten zu finden ist. Als eher wärmeliebende, mediterrane Pflanze ist er nur bedingt winterhart. Salbei enthält sowohl ätherische Öle, als auch Gerbstoffe, Bitterstoffe und Flavonoide. Die Anwendung von Salbei als Heilpflanze geht bereits bis in die Antike zurück, worauf auch der Name (salvus bedeutet heil, ganz, gesund) hindeutet. Als Tee kennen wir ihn vor allem als Gurgelmittel bei Halsschmerzen, weniger geläufig ist seine schweißhemmende Wirkung. Salbei ist traditionell für seine antibakterielle, antivirale, entzündungshemmende und adstringierende (zusammenziehende) Wirkung bekannt. Aber auch in der Küche findet der Echte Salbei vor allem bei Fleisch- und Fischgerichten Verwendung. Hier fördert er die Verdauung von fetten Speisen durch seinen Bitterstoff- und Gerbstoffanteil.

 

Teepflanze

Die Teepflanze (Camellia sinensis), aus der sowohl Grüntee als auch Schwarztee hergestellt wird, ist ein immergrüner Strauch, der in Japan Korea und China beheimatet ist. Bei der Herstellung von Grüntee werden die Blätter gleich nach der Ernte getrocknet, während bei Schwarztee die Blätter zuerst einem Fermentierungsprozess unterzogen werden. Als Genussmittel hat Camellia sinensis bereits eine jahrtausende lange Tradition.  Grüntee enthält neben Koffein auch Catechine (hier besonders hervorzuheben das Epigallocatechingallat) und Gerbstoffe. Zu Epigallocatechingallat existieren über hundert Studien, welche die gesundheitsfördernde Wirkung sowohl im Herz-Kreislaufbereich, im Bereich der Demenzforschung, als auch eine verbesserte Resistenz gegenüber Bakterien und Viren belegen. Zusätzlich konnte bewiesen werden, dass die gleichzeitige Aufnahme von Grüntee und Vitamin C die Bioverfügbarkeit von Epigallocatechin verbessert.

 

 

Bitterorange

Die Bitterorange (Citrus aurantium) ist eine Zitrusfrucht, die wahrscheinlich aus einer Kreuzung zwischen Grapefruit und Mandarine entstanden ist. Während die süßen Orangen erst im 15. Jahrhundert nach Europa eingeführt wurden, kamen die Bitterorangen bereits im 11. Jahrhundert nach Christus nach Italien. Die Frucht selbst schmeckt sehr sauer, während die weiße Schicht unter der Schale einen bitteren Geschmack aufweist. Aus der äußeren Fruchtschale wird Orangeat und aus der ganzen Frucht Orangenmarmelade hergestellt. Aber auch für die Herstellung des Orangenlikör Curacao werden Bitterorangen verwendet.

Bitterorangen sind besonders reich an Bioflavonoiden, die besonders gute Antioxidantienquellen darstellen und zusätzlich eine antibakterielle und antivirale Wirkung aufweisen.

 

 

Propolis

Propolis ist wird von Bienen hergestellt und ist eine harzige Masse. Im Bienenstock dient sie zum Abdichten von kleinen Spalten und Öffnungen, aber auch zum Abtöten von Bakterien, Viren und Pilzen als Schutz für die Brut. Zur Herstellung werden von den Bienen sowohl Harze als auch Pollen und ätherische Öle von Bäumen und Blütenknospen gesammelt und mit Wachs und Speichelsekret vermengt. Schon im alten Ägypten wurde Propolis verwendet, hier allerdings zur Einbalsamierung und somit Haltbarmachung von Mumien.

Propolis ist ein wirksames Antioxidans. In diversen Studien konnten seine antivirale (virenabtötende), antibakterielle (keimhemmende) und antifungale (pilzhemmende) Wirkungen nachgewiesen werden.

 

Melisse (erst für SeloVir)

Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum. Sie ist eine ausdauernde Pflanze, die bis zu 30 Jahre alt werden kann und einen zitronenartigen Duft aufweist. Der Name Melisse leitet sich aus dem griechischen „meli =Honig“ ab, da Melissen eine beliebte Bienenweide darstellen. Die Zitronenmelisse enthält neben ätherischen Ölen vor allem Rosmarinsäure, deren antivirale Wirkung vor allem bei der Lippenherpesbehandlung genutzt wird. Genutzt wird sie sowohl als Genussmittel (Gewürz- und Teekraut), als auch in der Heilkunde (Tee und Extrakte). Lange Tradition hat die Verwendung von Melisse auch zur Beruhigung von Magen und Nerven, als Einschlafhilfe und bei Erkältungskrankheiten. Bekanntheit erhielt sie zusätzlich als namensgebender Bestandteil des Klosterfrau Melissengeistes.