Der Mensch: Wechselspiel von Hardware und Software

„Körper, Geist und Seele“ ist eine häufig gebrauchte (und missbrauchte) Assoziation. Dennoch gliedern wir heute noch unsere Erkrankungen als psychische, neurologische und  körperliche, als hätten diese Systeme nichts miteinander zu tun. In Wahrheit aber sind die Wechselbeziehungen zwischen Körper, Geist und Seele enorm. So können sich z.B. Vitamine C-und Magnesium-Defizite über den Urin unter Stress verfünffachen. Diese Vitamin C- und Magnesium-Defizite aber vermindern wiederum die Stress-Resistenz. Dauerstress führen auf diese Weise zu einem fatalen Wechselspiel zwischen unseren Psyche und unserem Körper, das am Ende der Spirale im Burn-Out enden kann.

Der Mensch ist, was er isst…und trinkt, müssen man ergänzen. Vereinfacht ausgedrückt, können man unseren Körper mit einer Pendeluhr (Hardware) vergleichen, die Schwingungen der Uhr mit dem, was wir fühlen (Software). Während wir aber unsere Pendeluhren bei zu schnellem oder zu langsamem Pendelschlag repariert lassen, einige Zahnräder erneuern oder ersetzen, kommen wir bei und selbst (oder bei unseren Kindern oder Partnern) nicht auf die Idee, ähnliche vorzugehen. Warum eigentlich nicht?

Mindestens jede zweite Erkrankung ist ernährungsbedingt

Zahlreiche ernährungsmedizinische Statistiken beweisen heute, dass mehr als 50 % aller Erkrankungen in den Industrieländern ernährungsbedingt oder ernährungsabhängig sind. Zu diesen Erkrankungen gehören nicht nur Übergewicht oder Karies, sondern auch so denkbar unterschiedliche Beschwerden wie Neurodermitis, Allergien, rheumatische Beschwerden, Herz/Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Lernschwäche, AD(H)S, Depressionen, Altersdemenz oder Diabetes. Auffallend ist, dass all diese Erkrankungen gerade in jene Länder zunehmen, in welche auch die Ernährungs-und Trinkgewohnheiten moderner wurden, also in den Industrieländern.

Ernährung früher-Ernährung heute

Vergleichen wir die heutigen Verbraucherstatistiken mit jenen der 1960-er Jahre, so haben sich diese nicht spektakulär verändert: Wir essen und trinken heute durchschnittlich annähernd die gleichen Mengen an Eiweiß, Fetten und Kohlenhydraten wie vor 50 oder 60 Jahren. Was sich allerdings enorm geändert hat, ist die Qualität dieser Grundnahrungsmittel. Deckte eine Portion naturbelassener Kartoffeln früher noch etwa 50% unseres täglichen Magnesiums-und Kalium-Bedarfs, so enthält eine vergleichbare Portion Kartoffelstärke (z.B. in Kartoffelchips, Fertigpürees oder Pommes frites) gerade noch etwa 10 % an diesen natürliche und lebensnotwendigen Stressblockern. Enthielt naturbelassene Butter (gewonnen von Freiland-Kühen) noch herz-und kreislaufstärkende Omega 3- und Omega 6-Fettsäuren, so schädigen sogenannte Trans-Fettsäuren aus den billigen Pflanzenölen in Fertiggerichten Herz, Kreislauf, Immun- und Nervensystem. Während frische Äpfel und Orangen wertvolle Bioflavonoide liefern, gehen diese wichtigen Augen-Schutzstoffe bei der Apfelsaft- und Orangensaft-Produktion verloren. Bleibt noch, zu erwähnen, dass zwei Scheiben Vollkornbrot etwa 30-40% des Tagesbedarfs an nervenstärkende B-Vitamine. Im Gegenteil, sie rauben diese wichtigen Biowerkzeuge sogar aus unseren ohnehin meist spärlichen körperlichen Vorratsspeicher.

Was uns diese Beispiele zeigen sollen:

Dass all die Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydrate- Tabellen auf abgepackten Lebensmitteln für sich alleine nichts über den biologischen Wert der enthaltenen Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate des jeweiligen Nahrungsmittels aussagen.

Worauf es in unserer täglichen Ernährung wirklich ankommt

Um nachhaltig zu verstehen, wie unsere täglichen konsumierten Kalorienträger (Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate) in unserem Körper verarbeitet werden, sollten wir uns mit deren Grundfunktionen auseinandersetzen:

-Eiweiß:

Auch als Protein bezeichnet, besteht aus 22 unterschiedlichen Aminosäuren. Nahrungseiweiß wird in unserem Körper zu körpereigenem Eiweiß umgewandelt, u.a. zu Hormonen, Muskeln- und Bindegewebssubstanz (Collagen, Elastin, Keratin). Wir benötigen etwa 1g Protein pro Kilogramm Körpergewicht, täglich also 50-80 g. 1 g Eiweiß liefert etwa 4,2 kcal. Dies entspricht etwa 15% der täglichen benötigen Kalorienzufuhr von etwa 2000 kcal.

-Fette und Öle:

Fette und Öle versorgen unseren Körper mit Energie, schützt ihnen aber auch vor Kälte und mechanischer Belastung. 10% des täglichen Nahrungsfettes sollten aus sogenannten hochungesättigten Fettsäuren bestehen. Diese hochwertigen, elastischen Fettteilchen dienen unserem Körper zum Aufbau elastischer, reißfester und belastbarer Muskel-, Herzmuskel-, Blutgefäßen-, Nerven- und Immunzellen. 1g Fette oder Öle liefern etwa 9,3 kcal. Der Tagesbedarf an Nahrungsfetten beträgt etwa 70-80g, was etwa 25-30% des täglichen Kalorienbedarfs entspricht.

-Kohlenhydrate:

Dazu zählen wir vor allem Stärke(Mehl) und Zucker. Kohlenhydrate dienen unserem Körper vorwiegend als Brennstoff, aber auch als strukturelle Baustoffe, z.B. für das Bindegewebe.1g Kohlenhydrate bzw. Zucker liefern 3,9 kcal. Der tägliche Bedarf liegt bei etwa 240 -300g, was etwa 50-60% des täglichen Kalorienbedarfs entspricht.

Gehen wir nur davon aus, unser Körper bekommt die tägliche notwendige 70g Eiweiß, 70g Fett und 125 g Kohlenhydrate. Dann bleibt nur noch die Frage, ob und in welcher Qualität wir in der Lage sind, diese angebotenen Energie-, Funktions- und Baustoffe für uns zu verwerten.

Die Biologie bezeichnet diese Verwertungsvorgänge als „Stoff-Wechsel“, eben, weil all das, was wie essen, trinken und atmen, in körpereigene Stoffe „gewechselt“ wird. Würden wir die kleinste  Funktionsweise unseres Körpers, z.B. eine Muskelzelle, eine Immunzelle, eine Gehirn oder Nervenzelle, mit einem mikroskopischen kleinen Gebäude vergleichen, so wären die Fette und Öle die Bau- und Isoliersubstanz (also das Mauerwerk), die Kohlenhydrate wären das Brennholz und die Stützbalken des Gebäudes, die Proteine die Haustechnik (z.B. Kopiergeräte, Telefonanlagen ). Diese Zutaten alleine aber reichen wohl nicht aus, um den Betrieb einen Gebäudes aufrecht zu erhalten.

Schon gar nicht, wenn es sich um eine Stadt mit 60 Billionen Solcher Mikrohäuser handelt. So viele Zellen nämlich besitzt unser Körper, so groß ist also Menschhausen. Um unsere Körperstadt, um jedes einzelne Gebäude unseres Körpers zum Leben zu bringen, benötigen wir noch vier elementare, lebensnotwendige Nahrungsbestandteile:

1.Biologisches Werkzeug:

Jede unserer Körperzellen beschäftigt etwa 10.000 Mitarbeiter, sogenannte Zellenenzyme, Diese bestehen übrigens vorwiegen aus Aminosäuren. Diese Zellenenzyme verarbeiten jedes Teilchen Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate, das in die Körperzellen gelangt. Sie schneiden, kürzen, verlängern, schweißen und biegen an jedem aufgenommenen Nahrungsteilchen herum. Die Zellenenzyme also verstoffwechseln unsere Nahrung. Allerdings, und dies ist wesentlich, arbeiten die Zellenenzyme nicht mit ihren bloßen Händen, sondern benützen dazu Spezialwerkzeuge: Vitamine, Mineralstoff, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Jedes einzelne Zellenenzym ist also auf eine spezielle Aufgabe abgerichtet und benötigt dazu auch das entsprechende Spezialwerkzeug. Vitamin B1, B6, Vitamin C, Chrom, Selen, Kupfer, Flavonoide und Carotinoide  sind nichts anderes als elektronenmikroskopische kleine Werkzeuge für unsere zellulären Enzyme. Nun wird uns plötzlich klar, warum Obst, Gemüse und Vollkorn als gesunde Lebensmittel gelten: Weil sie wichtige biologische Werkzeuge für unseren Körper mitliefern. Sie sorgen für Aktivität, Vitalität, Ausdauer und werden nicht umsonst als Power-Substanz bezeichnet.

2.Elastische Baustoffe:

Wie bereits bei den Fetten und Ölen angedeutet, unterscheiden wir spröde und elastische Fettsäuren. Als elastisch gelten die sogenannten „ungesättigten“ Fettsäuren. Dies sind jene Fett- und Öl-Bestandteil, die in natürlich Lebensmitteln wie in Butter, Fischölen und kaltgepressten Pflanzenölen vorkommt. Ihr “technischer“ Nachteil aber besteht darin, dass sie nur wenige Monate lang haltbar sind. Daher hatte man vor Jahrzehnten in der Lebensmittelindustrie  die Technik des „Härtens“ eingeführt. Unter Härten versteht man unter das Verfahren, ungesättigten Fettsäuren in gesättigte Fettsäuren umzuwandeln und dadurch länger haltbar zu machen- zum gesundheitlichen Nachteil für die Konsumenten. Ein Übermaß an gesättigten Fettsäuren(wie sie in Chips, Pommes frites, Süß-und Salzgebäck, Fertiggerichten vorkommen) überfordert  unseren Körper mit spröder, starrer Bausubstanz. Lern- und Konzentrationsstörungen, Herz- und Kreislaufschäden, Immunschwäche und Allergien sind die Langzeitfolgen des Konsums dieser billigen Industrieöle. Die gute Nachricht: Wir selbst haben es in der Hand, die starren Moleküle durch die gezielte Zufuhr wertvoller Pflanzenöle aus unserem Körper auszuschwemmen und zu ersetzen.

3.Biologische Putzmittel:

So wie Gärten, Parks und Straßen von Städten regelmäßig zu säubern sind, so verlangt dies auch unser Körper. Tun wir dies nicht, so verschlacken, versulzen und übersäuern wir unsere eigenen Organismus mehr und mehr. Um beim Vergleich „Menschhausen“ zu bleiben: Die Gärten und Parks unserer biologischen Stadt nennen wir  in der Biologie Bindegewebe, unsere körperlichen Verkehrswege sind Blut- und Lymphgefäße. Die biologischen Reinigungsstoffe unserer täglichen Ernährung sind sogenannte basische Elektrolyte und andere reinigende Pflanzenstoffe, z.B. aus Gemüse und Salat. Diese pflanzlichen Reinigungs-Nährstoffe gelangen nach der Verdauung in die Blutbahn und von dort in das Bindegewebe. Dort binden(neutralisieren)  sie abgelagerte Stoffwechselreste, die sie in der Folge- wiederum über die Blutbahn- zur Leber und zur Niere transportieren. Von dort werden diese dann über den Stuhl oder über den Urin ausgeschieden. Diese permanenten Reinigungsprozesse sind für unseren Stoffwechsel äußerst wichtig, da sie die Nährstoff- und Sauerstoff-Versorgung unserer Körperzellen verbessern.

4.Biologische Feuerlöscher:

Wie bereits erwähnt, sind einige unserer Zellenzyme auf Schweißarbeiten spezialisiert. Dabei fallen regelmäßig große Mengen an biologischen Zündfunken an. In der Biologie bezeichnen wir diese als Radikale und Peroxide. Nun sind diese biologischen Zündfunken einerseits für unseren Stoffwechsel sehr wichtig, da unser Körper mit ihrer Hilfe Energie und neues körpereigenes Material gewinnt. Andererseits aber läuft unsere Körpersubstanz permanent Gefahr, von den biologischen Zündfunken versengt und damit zerstört zu werden. Um unser gesunden Gewebe vor diesen Zündfunken zu schützen, benötigen wir sogenannte Antioxidantien  aus unserer Nahrung. Diese sind u.a. reichlich in frischem Obst und frischem(Freiland) Gemüse enthalten. Als Faustregel gilt: Je intensiver das Obst und das Gemüse gefärbt sind, umso höher sind die Gehalte an Antioxidantien.

Dieser kleine Ausflug in die Biologie unseres Körpers soll uns vor Augen halten, wie komplex (und im Grunde genommen dennoch einfach) unser Körper Funktioniert. Was vor diesem Hintergrund für uns nicht nur erwähnenswert, sondern äußerst wichtig ist: In jeder Sekunde unseres Lebens produziert unser Körper etwa 7-8 Millionen neuer Körperzellen. Im Laufe von 24 Stunden sind dies immerhin 600 Milliarden neuer Zellen.

Wir Menschen sind also biologisch offene Systeme, die sich in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt – und in Wechselwirkung mit dem, was wir täglich essen, trinken und atmen- ständig  verändert. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir 2,20 oder 70 Jahre alt sind. Wir selbst also können entscheiden, wann wir beginnen, unsere körperliche und mentale Gesundheit auch über die Ernährung zu steuern.

Und noch eine gute Nachricht:

Der eine oder andere Ausrutscher, die eine oder andere Ernährungssünde belastet unsere Gesundheit weniger, als viele Ernährungsgurus behaupten. Machen Sie unsere Gesundheit weniger, als viele Ernährungsgurus behaupten. Machen Sie Ihre Ernährungs- und Trinkgewohnheiten nicht zum ideologischen Dogma. Gönnen Sie sich Ihr geliebtes Croissant, den Würfelzucker im Kaffee und das Glas Rotwein. Ihr Körper kann all das gute verstoffwechseln, wenn die generelle Rundumversorgung  stimmt und die Vitaminspeicher Ihres Körpers gut gefüllt sind.

Im speziellen Teil dieses “Wegweisers zu Selbsthilfe“ gehen wir nur darauf ein, wie es möglich ist, unseren Stoffwechsel über eine gezielte Nährstoffzufuhr in relativ kurzer Zeit zu verändern.

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